1995
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Matthias Kammerer: Bildschirmorientiertes Abfassen von Wörterbuchartikeln. Dargestellt am Beispiel des Frühneuhochdeutschen Wörterbuches. Tübingen: Max Niemeyer 1995 (Lexicographica. Series Maior 68).
ISBN: 3-484-30968-7− Englisches Abstract»Writing Dictionary Articles for Computer Use. The example of the ›Dictionary of Early New High German‹.
Even today the use of computers in the compilation of dictionaries is largely restricted to its convenience as an editing aid. Little use is made of structured date input. This study shows how the computer can be more fully exploited in practical dictionary work. It proceeds first from an analysis of the relatively complex structure of the articles in the ›Dictionary of Early New High German‹ and then with the help of the FAUST text retrieval system defines an input surface into which, with guidance from the system, the lexicographer can enter his data. Finally two examples are discussed to demonstrate what computer-aided dictionary work could look like.«− Deutsches Abstract»In dieser Arbeit geht es darum zu zeigen, wie der Computer bei der praktischen Wörterbucharbeit eingesetzt werden kann. Als Gegenstand der Exemplifizierung wurde das ›Frühneuhochdeutsche Wörterbuch‹ gewählt, da es aufgrund seiner komplexen Struktur nicht wenige Probleme aufwirft. Nachdem kurz in die Theorie der Mikro- und Makrostruktur nach Wiegand eingeführt wurde, wird das Konzept der Positionsstruktur vorgestellt, das für diese Arbeit grundlegend ist. Im Anschluss daran wird die erste Lieferung des ›Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs‹ bezüglich des Artikelaufbaus exhaustiv analysiert. Die Ergebnisse werden in einer Konstituentenstrukturgrammatik zusammengefasst. Danach werden die Beziehungen zwischen Lemmazeichentyp und Wörterbuchartikeltyp näher beleuchtet mit dem Resultat, dass ersteres zusammen mit dem Wörterbuchprogramm letzteres determiniert. Nachdem diese Interdependenzen geklärt sind. wird eine Eingabeoberfläche unter dem Textretrievalsystem FAUST definiert, mit der selbst die komplexeren Artikel des ›Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs‹ erfasst werden können. An zwei Beispielen wird abschließend gezeigt, wie die Dateneingabe durch die Lexikographen aussehen könnte. Dabei zeigt sich, dass sich selbst Konsistenzprobleme (wie Verweis[angaben] auf andere Wörterbuchartikel, insbesondere jene, die noch nicht geschrieben sind) in den Griff bekommen lassen.«
− Inhaltsverzeichnis (Auszug)- Einleitung
- Exkurs: Die Mikro- und Makrostruktur(en) im FWB
- Die Makrostruktur des FWB
- Die Mikrostrukturen im FWB
- Zu den Begriffen »Position« und »Positionsstruktur«
- Die Positionen im FWB-5
- Die Lemmaposition (LPos)
- Die Wortvariantenposition (WvPos)
- Die Wortart- und Morphologieposition (WaMPos)
- Die Etymologieposition (EtymPos)
- Die Bedeutungsposition (BedPos)
- Die Symptomwertposition (SympPos)
- Die Position der onomasiologischen Vernetzung (BdvPos)
- Die Syntagmenposition (SyntPos)
- Die Wortbildungsposition (WbgPos)
- Die Belegposition (BelPos)
- Die Hinweisposition auf Häufigkeiten (HPos)
- Die lexikographische Kommentarposition (KPos)
- Die Position für Literaturhinweise (LitPos)
- Abschließende Zusammenfassung
- Die Wörterbuchartikeltypen im FWB-5
- Die Beziehung zwischen Wörterbuchartikeltyp und Lemmazeichentyp
- Die Lemmazeichentypen im FWB-5: 1. Teil
- Die Lemmazeichentypen im FWB-5: 2. Teil
- Bildschirmorientiertes Abfassen von Wörterbuchartikeln: zwei Beispiele
- Erstes Beispiel: »argwonen«
- Zweites Beispiel: »ärmel«
- Fazit und Perspektiven
- Schluß
- Anhang
- Literatur & Software
- Index
− Addenda & CorrigendaSoweit mir bekannt:
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S. 84, Z. 9 v.o.:
lies: »k.A.GG«
statt: »kA.GG« -
S. 181, Z. 4 v.o.:
tilge: »MetaA Metaphorisierungsangabe« -
S. 181, nach Z. 21 v.o.:
füge ein: »k.HinwA kommentierende Hinweisangabe« -
S. 182, nach Z. 1 v.o.:
füge ein: »MetaA Metaphorisierungsangabe« -
S. 199, Spalte 2, Z. 21 v.o.:
lies: »k.A.GG«
statt: »kA.GG«
− RezensionenRezension von Ingrid Schröder, Hamburg, in: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. LCIV. Jahrgang, Heft 3 (1997), 346–347:
[...] In der vorliegenden Veröffentlichung wird ein Vorschlag zur Optimierung der Dateneingabe unterbreitet [...] Dafür hat der Verf. eine Datenbank (auf der Basis des Retrievalsystems FAUST²) modelliert und eine Eingabeoberfläche für die Artikelausarbeitung gestaltet. Am Beispiel des Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs³ (FWB) werden Entwicklung und Einsatz dieses Computerprogramms vorgeführt.
Ausgangspunkt ist die Mikrostruktur des FWB mit den Positionen eines Wörterbuchartikels, die ›Antwort auf einen bestimmten Fragekomplex [geben], zu dessen Beantwortung sie vom Lexikographen erstellt wurden [...]. Alle Positionen zusammen konstituieren als Textsegmente vollständig den Wörterbuchartikel [...]‹; (S. 16). Ausgehend von der Lexikographischen Einleitung des FWB4 werden die einzelnen Positionen [...] am Material der Lieferung 5 des FWB verifiziert. Ergebnis ist eine Liste positionsspezifischer Ausprägungen, die tabellarisch festgehalten sind. Diese sind in einer formalisierten Grammatik zusammengefaßt, die Auskunft über die mögliche Gestalt eines Wörterbuchartikels im FWB gibt (S. 85ff.). [...]
Für alle in der Grammatik beschriebenen Positionen werden Eingabemasken entwickelt, wobei für die Wortartposition standardisierte Textbausteine zur Verfügung gestellt werden, die vom Lexikographen ausgewählt werden können. Zusätzlich sind ein Feld für die in der Bedeutungserläuterung verwendeten Synonyme und ein Eingabefeld für Schreibvarianten vorgesehen. Diese beiden Felder dienen der Vorbereitung weiterer das Wörterbuch ergänzender Register (Register des Erläuterungswortschatzes, Schreibformregister). Zur Artikelausarbeitung stehen somit 27 Felder zur Verfügung. Diese werden auf dem Bildschirm im Laufe der Bearbeitungsprozedur angezeigt. Kommentare erläutern das jeweilige Feld und geben Hinweise zur Weiterarbeit. so daß der Lexikograph vom System geführt seine Wörterbuchdaten eingibt. Das System ›stellt mit seinen Feldern dem Lexikographen jedesmal die explizite Frage, ob auf Grundlage der Belege an dieser Stelle eine Angabe gemacht werden kann oder nicht‹ (S. 161).
Bei allen bereits eingangs angeführten Vorteilen kann sich letzteres in der konkreten Arbeit auch als Nachteil erweisen: Selbst bei informationsarmer Beleglage ist der Lexikograph gezwungen, sich durch jede Artikelposition von Eingabemaske zu Eingabemaske hindurchzuarbeiten. [...] Die Kenntnis des Programmregelwerks beziehungsweise die extensive Lektüre der Kommentare (mit einer Vielzahl an Siglen) ist unabdingbar – beides Erfordernisse, die zunächst von der eigentlichen lexikographischen Tätigkeit ablenken. Der Verf. selbst sieht den Nutzen des Programms eingeschränkt, wenn der Lexikograph auf Grund der Modularität der Positionen die Übersicht verliert (S. 164). Diese Gefahr besteht in der Tat, da die Felder voneinander isoliert bearbeitet werden.
Die vorgestellte Datenbank weist insgesamt auf einen effektiven Einsatz des Computers. [...]Rezension von Michael Schlaefer, Göttingen, in: Beiträge zur Namensforschung. Bd. 32, Heft 1 (1997), 73–74:
Die Untersuchung befaßt sich mit computerunterstützten Bereichen der Wörterbucharbeit. [...] Für die Analyse stützt sich M. Kammerer exemplarisch auf die Lieferung II, 1 des ›Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs‹. Einem kürzeren referierenden Exkurs über die Mikro- und Makrostrukturen im Wörterbuch auf der Grundlage der Arbeiten von H. E. Wiegand schließt sich eine ausführliche Betrachtung der Artikelstrukturen im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch an. Dazu werden die von O. Reichmann in der Einleitung zum ›Frühneuhochdeutschen Wörterbuch‹ beschriebenen 13 konzeptionellen Positionen der Artikeloberfläche wie Lemma, Wortartvarianten, Etymologie, Bedeutungsbeschreibung und so weiter zugrundegelegt. Der Verfasser weist nach, daß in den analysierten Artikeln die jeweiligen Positionen durchweg komplexe implizite Substrukturierungen aufweisen, und daß diese Substrukturierungen nicht durchgängig konsequent realisiert werden. Diese Beobachtungen M. Kammerers lassen sich leicht auf andere Wörterbücher mit komplexem Objektbereich übertragen, in denen kein starres Artikelschema in den unteren Schichten der Artikelgliederung besteht. In einer ersten Zusammenfassung werden die aufgrund der Analyse ergänzten Artikelstrukturen des ›Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs‹ in Form einer formalen ›Artikelgrammatik‹ dargestellt. [...] Die ›Artikelgrammatik‹ wird im weiteren in das unter anderem beim ›Deutschen Rechtswörterbuch‹ verwendeten Retrievalsystem FAUST übertragen. Damit ergibt sich die Voraussetzung für einen späteren gezielten rechnergestützten Zugriff auf jede in der Grammatik ausgewiesene Information beziehungsweise Objektart. In der Anwenderoberfläche entspricht dieser Umsetzung eine dialogische Eingabeprozedur mit speziellen Eingabemasken für die Abfolge und Art bestimmter Informationsklassen. Diese Unterstützung der Eingabeprozedur bietet für den Artikelbearbeiter die Möglichkeit, alle für einen Artikel überhaupt in Frage kommenden Positionen und Informationsklassen abzuarbeiten und sie gleichzeitig datengerecht zu erfassen. Wie dies in der Praxis des Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs aussehen könnte, wird an zwei Musterartikeln anschaulich demonstriert. für die Organisation und strukturelle Aufbereitung von Wörterbuchinformationen bietet die Studie einen anregenden Ausgangspunkt. Auch für schon in Bearbeitung befindliche Wörterbücher, vor allem solche mit komplexem Objektbereich, kann eine analoge Umsetzung von M. Kammerers Konzept wesentlich zur Systematisierung der Artikeloberflächen und eines späteren rechnergestützten Zugriffs auf Artikelsegmente beitragen.
Rezension von Kristian Bosselmann-Cyrian, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 14 (1996), S. 592–595.
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