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Einführung

Im Internet wird man gebrochenen Satz (z.B. ein Text in Fraktur) nur in Bildern oder in PDF-Dokumenten antreffen, da gerade die für den gebrochenen Satz benötigten Schriften auf den wenigsten Rechnern standardmäßig installiert sein dürften. Dennoch wird hier eine Übersicht über die wichtigsten Regeln für den Satz mit gebrochenen Schriften gegeben.

   Wenn hier von »Fraktursatz« gesprochen wird, so sind damit alle gebrochenen Schriften gemeint, die – neben der Fraktur selbst – beispielsweise auch die Schwabacher oder die Textur umfassen. Obwohl also der Ausdruck »Fraktursatz« unpräzise ist (es müsste eigentlich korrekt heißen: Satz mit gebrochenen Schriften), wird im Folgenden der Terminus »Fraktursatz« beibehalten.

Die s-Zeichen

Im Fraktursatz gibt es das aus der Antiqua-Schrift bekannte runde »s« sowie das weniger bekannte, in der Antiqua aber ebenfalls vorhandene, nicht aber in jedem Font unterstützte lange »ſ« (U+017F: LATIN SMALL LETTER LONG S: ſ). Dieses lange »ſ« muss im Fraktursatz gemäß den folgenden Regeln angewendet werden; diese Regeln gelten übrigens auch für den Antiquasatz, falls man sich entschließt, das lange »ſ« zu benutzen:

Das runde »s« wird hingegen gesetzt, wenn das »s« am Ende einer Silbe auftritt sowie in Kombination mit »k«:

das; Kürbis; Raspel
grotesk; humoresk; pittoresk

Manch einer wird sich fragen, wann die nicht gerade einfache Unterscheidung von rundem »s« und langem »ſ« nützlich sein könnte. Neben der größeren Formenvielfalt kann die Unterscheidung dazu beitragen, Vieldeutigkeiten auszuräumen, wie dies an dem Beispiel »Wachstube« versus »Wachſtube« klar wird.

   Tipp: Da es nicht immer einfach ist zu entscheiden, ob ein langes »ſ« oder ein rundes »s« gesetzt werden muss, sollte man sich einfach ein altes Wörterbuch in Fraktursatz kaufen und dort im Zweifelsfall nachschlagen.

Anführungszeichen

Im Fraktursatz sind die folgenden Anführungszeichen üblich, wobei die erste Lösung die zu bevorzugende ist:

„Beispiel” bzw. ‚Beispiel’
„Beispiel“ bzw. ‚Beispiel‘

Ebenfalls möglich sind die beiden folgenden Anführungszeichen, die jedoch dem Gebrauch in der Antiqua entlehnt sind; hier ist ebenfalls die erste Lösung zu bevorzugen:

»Beispiel« bzw. ›Beispiel‹
«Beispiel» bzw. ‹Beispiel›

Bindestrich

Der Bindestrich in den gebrochenen Schriften gleicht einem kurzen Gleichheitszeichen, das leicht schräg nach oben verläuft. Ein Bindestrich, wie man ihn aus den Antiqua-Schriften kennt (»-«), ist zu vermeiden.

Majuskel I und J

In den historischen gebrochenen Schriften gibt es keine Majuskel »J«, sondern nur eine Majuskel »I«, die auch für »J« verwendet wurde. Erst neuere Schriftschöpfungen stellen auch eine Majuskel »J« zur Verfügung.

   Wenn man mit einer historischen gebrochenen Schrift arbeitet, die im Zeitalter der Digitalisierung eine Majuskel »J« hinzubekommen hat, obwohl sie – historisch gesehen – nicht darüber verfügt, sollte die Majuskel »J« nicht verwendet werden. Nur dann, wenn der ganze Schriftentwurf neueren Datums ist und von Anfang an sowohl eine Majuskel »I« und »J« zur Verfügung standen, können auch beide Großbuchstaben wie gewohnt verwendet werden.

Umlaute

Umlaute (wie z.B. ä oder ö) werden in den gebrochenen Schriften in der Regel als Diphthonge (Doppellaut) wiedergegeben, wenn es sich bei dem Umlaut um eine Majuskel (einen Großbuchstabe) handelt:

Äpfel, Äußerung, Öse, Übung
Aepfel, Aeußerung, Oese, Uebung

Umlaute als Kleinbuchstaben bleiben jedoch als Umlaute erhalten. Je nach Schrift, wird der Umlaut durch ein Trema (U+00A8 DIAERESIS bzw. U+0308 COMBINING DIAERESIS: »¨«) oder durch ein übergestelltes kleines e gekennzeichnet.

Fremdsprachliches

Fremdsprachliche Sätze, Phrasen und Wörter, wie beispielsweise Texte aus dem Französischen oder Lateinischen, werden nicht in gebrochener Schrift gesetzt, sondern in der Antiqua. Werden fremdsprachliche Wörter jedoch deutsch flektiert, dann wird die Flexionsendung in der gebrochenen Schrift gesetzt, der Rest in Antiqua.

   Falls ein Sonderzeichen innerhalb eines Wortes (wie z.B. é in Glacéhandschuh) in der verwendeten gebrochenen Schrift nicht vorhanden ist, kann dieses Sonderzeichen auch in der Antiqua gesetzt werden, während der Rest in der gebrochenen Schrift gesetzt wird.

Ligaturen

Obwohl das Eszett (»ß«), historisch gesehen, eine Ligatur aus langem »ſ« und einem weiteren Zeichen ist, das im Fraktursatz einer arabischen tief gestellten »3« ähnelt – und nicht, wie selbst noch Jan Tschichold behauptete, eine ſs-Ligatur oder gar eine ſz-Ligatur – zählt das Eszett nicht zu den Ligaturen, sondern wird als ein einziger, selbstständiger Buchstabe betrachtet. Ebenso zählen hierzu: »Æ«, »æ«, »Œ«, »œ« oder »IJ«.

   Bei den gebrochenen Schriften zählen zu den »echten« Ligaturen: »ch«, »ck«, »ff«, »fi«, »fl«, »ft«, »ll«, »ſch«, »ſi«, »ſſ«, »ſt«, »tt« und »tz«, wobei in einem Font meistens nicht alle möglichen Ligaturen unterstützt werden, wie auch die nachfolgende Tabelle zeigt. Historisch neu (erst ab dem 20. Jahrhundert) sind die Ligaturen »ft« und »tt«. In Unicode sind bisher nur die folgenden Ligaturen definiert:

Ligaturen (Unicode)
Unicode-Name Zeichen Code-Point Zeichen-Referenz
LATIN SMALL LIGATURE FF U+FB00 ff ff
LATIN SMALL LIGATURE FI U+FB01 fi fi
LATIN SMALL LIGATURE FL U+FB02 fl fl
LATIN SMALL LIGATURE FFI U+FB03 ffi ffi
LATIN SMALL LIGATURE FFL U+FB04 ffl ffl
LATIN SMALL LIGATURE LONG S T U+FB05 ſt ſt
LATIN SMALL LIGATURE ST U+FB06 st st

Für die Ligaturen »ch«, »ck« und »tz« gilt im Fraktursatz, dass diese nicht gesperrt werden und damit als Ligaturen erhalten bleiben.

   Wenn Ligaturen verwendet werden, müssen diese im gesamten Text einheitlich benutzt werden. Ligaturen werden nur innerhalb eines Wortstamms verwendet, nicht jedoch in Verbindung mit einer Wortendung, Ausnahme hier: »fi«, wie beispielsweise in »affig«, das eigentlich aus dem Wortstamm »aff« und dem Suffix »ig« besteht. Ebenso steht bei Wortzusammensetzungen (Komposita) keine Ligatur in der Wortfuge. Natürlich bleibt davon unberührt, dass bei Wortzusammensetzungen das Ende eines Wortstamms durchaus eine Ligatur aufweisen kann.

Schriftauszeichnung

Das Hervorheben von Textteilen, also das Auszeichnen von Texten, ist im Fraktursatz alles andere als einfach, da hier nur sehr wenige Möglichkeiten bestehen. So kennt Fraktursatz eigentlich nicht die kursive oder die fette Schrift. Traditionelle Auszeichungen sind im Fraktursatz:

Kreative Auszeichungen im Fraktursatz sind beispielsweise:

Schriftmischung

Werden im Fraktursatz fremdsprachige Termini verwendet, so werden diese in Antiqua gesetzt. In alten Drucken geht das sogar so weit, dass selbst lateinische (oder andere fremdsprachige) Endungen in Antiqua gesetzt wurden, was heutzutage jedoch unüblich ist. Desgleichen können deutsche Konjugations- und Deklinationsendungen bei Fremdwörtern wieder in der gebrochenen Schrift gesetzt werden.

   Fremdsprachige Eigennamen werden hingegen grundsätzlich in der gebrochenen Schrift selbst gesetzt. Sind darin jedoch fremdsprachige Sonderzeichen enthalten, wie beispielsweise »é«, »ç« oder »ñ«, werden diese einzelnen Buchstaben in Antiqua gesetzt, der Rest aber in der gebrochenen Schrift.

   Wenn innerhalb eines fremdsprachigen Terminus ein Bindestrich vorkommt, wird dieser ebenfalls in der entsprechenden Antiqua-Schrift gesetzt; ein Bindestrich unmittelbar davor oder danach hingegen in der Grundschrift, der gebrochenen Schrift.

   Ansonsten werden Schriftmischungen innerhalb der gebrochenen Schriften auch zur Auszeichnung verwendet (siehe oben).


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